But words escape me...
Gebt mir mein Leben zurück. Es antwortet nicht mehr. /& Kurzgeschichte.

Das Leben rennt an dir vorbei

und du bleibst immer am gleichen Ort stehen

und fragst dich, was das alles soll,

was das Leben für einen Sinn hat.

Und plötzlich bist du tot.

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Mondschein Sonata



Lange saß er schon im Fenster. Rauchte eine Kippe nach der anderen, lies seine Füße baumeln. Unter ihm der Abgrund- ein schwarzes nichts.
Wie oft saß er mittlerweile hier oben? ein- zwei- oder dreimal in der Woche? Täglich? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass es ihn beruhigte hier zu sitzen. Ihn beruhigte der Gedanke, dass es einen Ausweg gab. Einen Ausweg der so nahe war.
Vorsichtig erhob er sich und ging ins Bad. Er föhnte seine Haare und betrachtete sich dabei kritisch im Spiegel. Er trug eine dunkle Jeans und sein Lieblingsshirt. Gut sah er aus. Die Fingernägel an den schönen Händen fein manikürt. Eben diese Hände griffen nun nach dem Make-Up. Er wollte gut aussehen. Er hatte das seltsame Bedürfnis gut auszusehen.
Kritisch betrachtete er sein Spiegelbild. Die nun fein umrandeten Augen sahen traurig aus. Er lächelte.

„Was willst du von mir? Du hast mir nichts zu sagen! Hörst du? N i c h t s !“

Keine 2o Minuten war der Streit her. Jetzt stand er hier. Und machte sich fertig. Fertig für etwas was er gar nicht wollte. Nein falsch. Für etwas was er wollte machte er sich fertig. Es hatte nur den Anschein als ob der das tun würde was er sollte. Er tat schon lange nicht mehr das was er sollte. Äußerlich ja. Aber sein Innenleben nicht. Wäre ja auch zu schön wenn er sich auch innerlich zu einer Marionette machen würde.
Er machte Musik an. Eine leise, getragene fast traurige Melodie war zu hören. Stumm lauschend betrachtete er sich. Sah sich in die Augen. Sie starrten zurück. Kalt.

„Ich brauche dich nicht! Mach doch was du willst. Aber hör mit deinem scheinheiligen gehabe auf. Du nervst mit deinen Lügen!“

Diese Worte würde er niemals vergessen. Die Zurückweisung als er endlich redete. Als er sich öffnete. Als er sich überwunden hatte. War er so furchtbar? War er so ein Monster geworden?
Nein war er nicht. Verzweifelt hatte er sich zurückgezogen. Und keiner hatte ihn verstanden. Keiner. Jeden Annäherungsversuch hatte man ignoriert. Hatte ihn zurückgewiesen. Er brauchte niemanden. Er hatte niemanden. In Wirklichkeit war er alleine. Obwohl immer Menschen um ihm rum waren. Er mit keinem Streit hatte. Er war einsam. Und er litt darunter.

„ich gehe jetzt! Und wehe du bist nachher nicht fertig!“ Er sieht ihn böse an. Macht ihn für das Unheil verantwortlich. Obwohl er doch unschuldig ist. Obwohl er doch immer alles reparieren wollte. Er war schuld.


Die Musik lief weiter. Er zog seinen schmuck an. Jedes dieser Armbänder, Ketten und Ringe hatte eine Bedeutung. Er verfluchte eben diese. Am liebsten hätte er alles wieder ausgezogen und aus dem Fenster geworfen. Aber diese Dinge gehörten zu ihm. Und er liebte sie, genauso stark wie er sie hasste. Sie erinnerten ihn an eine bessere Zeit.
Er verließ das Zimmer. Verließ das Haus. Verließ die Stadt. In seinem Kopf spielte noch immer die Musik. Takt für Takt. Zu oft hatte er sie bereits gehört.
Er lief durch die Dunkelheit. Immer weiter. Und weiter und weiter. Er hatte ja zeit. Und selbst wenn nicht. Was war schon Zeit? Er lächelte als er umkehrte. Umkehrte und zurücklief. Zurück in die Hölle. Oder gerade aus ihr hinaus?

„Hörst du mir überhaupt zu? Und warum guckst du so? Du bist doch schuld daran dass es jetzt so ist. Du bist doch nicht mehr zu uns gekommen. Du hast dich doch entfernt!“


Verstand ihn denn gar keiner mehr? Fragen. Viel zu viele Fragen gingen ihm durch den Kopf. Egal. Das alles war egal. Egal egal egal. Unwichtig. Nicht relevant. Nein, es war wichtig.
Er hatte sein Ziel erreicht. Er betrat das Gebäude und schloss die Tür hinter sich ab. Langsam ging er die Treppen hinauf. Treppe für Treppe, Stufe für Stufe. In seinem Kopf immer noch die Melodie. Gleichmäßig spielte sie in ihm, erfüllte ihn, gab ihm Kraft. Spiegelte sein Innenleben wieder.
Er war oben angekommen. Er setzte sich hin und wartete. Ruhig nahm er sein Handy und schaltete Musik ein. Er nahm sie nicht war. So sehr war sie schon ein teil von ihm. Aber alle anderen würden sie wahrnehmen. Und darauf kam es an. Er stand auf und Schloss die Tür. Verriegelte sie. Es war besser so. Dann schritt er Zurück, hob sein Handy auf, schaltete die Musik wieder ein und steckte das Handy in die Hosentasche. Dann wartete er wieder.
Er starrte in den Himmel. Es war eine klare Nacht. Er liebte die Nacht. Die Dunkelheit beschützte ihn.

Und versuch gar nicht erst etwas zu erklären okay? Reg dich erstmal ab.“


Er sah in die Ferne. Betrachtete die fast dunkle Kleinstadt. Plötzlich wurde es Hell. Von Unten Strahlte ihn ein Scheinwerfer an. Blaulicht. Krankenwägen und Polizei. Jetzt hatte er genug gewartet. Er drehte sich um. Und lehnte sich nach hinten.
Ein Luftzug umgab ihn. Er fiel. Umringt von der Musik. Er fiel. File und fiel.
Dann schlug er auf.
Die Musik spielte leise und monoton weiter.

Leben kam in die Passanten auf der Straße. Polizei und Sanitäter kamen. Auf eine seltsame weise geschockt von dem Anblick.
Ein Anruf wurde gemacht. Ein Van fuhr vor. Ein Mann stieg aus. Er drängte sich durch die Passanten. Panik live und in Farbe. Wäre der dunkelhaarige noch am leben würde er lächeln. Und er lächelte.
Weil er schon vorher gewusst hatte, was er auslösen würde. Weil es allen zeigen wollte was sie nun davon hatten.

Er lag auf dem Boden und lächelte.
Die Musik rundete das Bild ab. Keiner der Anwesenden würde dieses Bild wieder vergessen. Jeder würde die Musik hiermit in Verbindung bringen.

Tot lag der Junge auf dem Asphalt.
Und weiterhin lief Beethovens Mondscheinsonate.
 

16.2.09 19:22
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


killerkruemel (16.2.09 20:54)
ich mag es.
es hat mir tränen in die augen getrieben.
darf es das?
es ist schön.


nrldd (16.2.09 22:22)
schön, wirklich schön..


Micky (4.3.09 21:43)
Wow.. ich bin wieder mal sprachlos.. du hast das so schön geschrieben. Vorallem, weil man keine genauen Details von dem was vorher passiert ist weiß, so dass man sich seine eigenen Vorstellungen bilden kan..
Ich glaub, ich werd das jetzt am Klavier spielen. Und ach ja, weiter unten hast du geschrieben dass du zum Klavier gehst oder so.. total arg, ich kenn dich jetzt schon so lang und wusste nicht, dass du auch Klavier spielst.. Und ach ja, falls du auf klassische Musik stehst: http://newagepiano.net/wocms.php?siteID=44&viewArtistID=112&viewAlbumID=157 Hör dir Shadows at Twilight an..
Ich merke, ich laber zu viel..
Küsschen

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